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Kritische Blicke auf die SWMH

Einsparungen durch Immobilienverkauf?

sverdimh, · Kategorien: Allgemein

SWMH-Geschäftsführer Dr. Christian Wegner hat in seiner Videobotschaft an die Beschäftigten verkündet, dass 50 Mio. Euro bis Ende 2022 eingespart werden müssen. Die Mittel dazu sollen Einsparungen bei den Sachkosten und eine Reduzierung der Personalkosten sein. Zu den Einsparüberlegungen von Dr. Wegner gehört wohl auch, Immobilien und Grundstücke zu Geld zu machen. Das Firmengelände in Möhringen (Plieninger Straße 150) soll angeblich an einen Investor verkauft werden, der an der Landhauskreuzung einen „offenen Bürocampus“ (Pläne im Städtebauausschuss und erste Veröffentlichungen dazu liegen vor) plant. Die von Daimler angemieteten Flächen im Firmengebäude will Daimler bis spätestens zum 30. Juni 2022 räumen. Über die weitere Verwendung der bisher vermieteten Flächen will die SWMH noch in 2021 entscheiden.

Das ist der geringfügig überarbeitete Siegerentwurf aus dem städtebaulichen Ideenwettbewerb vom Architekturbüro Pickard Chilton in Connecticut/USA.

Notwendige Grundstücke von Daimler (direkt neben der SWMH) wurden bereits verkauft. Es ist bekannt, dass die Stadt Stuttgart in Gesprächen mit der SWMH Interesse am Grundstück in Möhringen angemeldet hat. Die Maklerfirma Jones Lang LaSalle ist von der SWMH damit beauftragt, verschiedene Optionen, u.a. Komplett- oder Teilverkäufe der SWMH-Immobilien zu prüfen. SWMH-Geschäftsführer Alexander Paasch beruhigt, man habe „keinen Handlungsdruck“ und wolle zum „richtigen Zeitpunkt die wirtschaftlich beste Lösung“ finden.

BILD-Druckauftrag endet nach 58 Jahren – Steht der Druckstandort Esslingen nun vor dem Aus?

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Schlechte Nachrichten gab es für die Beschäftigten von Bechtle Verlag&Druck (Esslinger Zeitung) am Montag, 14. Juni 2021, bei einer Abteilungsversammlung: die Leitung des zum Medienkonzern SWMH gehörenden Unternehmens informierte die Belegschaft der Bereiche Druck und Versand darüber, dass der Axel-Springer-Konzern seinen Druckauftrag für BILD und Bild am Sonntagüberraschend zum Jahresende 2021 auslaufen lässt. Von dieser Entscheidung betroffen sind rund ca. 60 Beschäftigte in Esslingen, wo die beiden Springer-Zeitungen seit Jahrzehnten gedruckt wurden. Damit verliert der Druckstandort Esslingen ein Alleinstellungsmerkmal (Druck im Rheinischen und im Nordischen Format). Betriebsrat und ver.di befürchten, dass durch den Wegfall der BILD auch die Druckaufträge der verlagseigenen Zeitungen und Wochenblätter, vorweg die Esslinger Zeitung, gefährdet sind. Die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) könnte versucht sein, diese Druckaufträge ins Pressehaus Stuttgart Druck (PHD) zu verlagern. MHS-Geschäftsführer Herbert Dachs ließ schon mal verlauten, „dass dies ein weiteres Argument ist, den Druckstandort Esslingen nicht zu halten“. Entsprechende Planungen sind auch Teil des „Druck-Strategie-Projektes“, in dessen Rahmen die Betriebsräte und Gewerkschaft ohnehin die Schließung eines oder gar beider Druckstandorte (Esslingen und Stuttgart-Möhringen) befürchten.
Update: Seit dem Beginn der Sommerfereien versucht die Geschäftsführung cirka ein Drittel der Arbeitsplätze über freiwillige Aufhebungsvereinbarungen auf der Grundlage des bis Jahresende gültigen Abfindungs-Programmes abzubauen. Eventuell notwendige betriebsbedingte Kündigungen sollen ab Oktober 2021 ausgesprochen werden. Mit der verbleibenden Mannschaft sollen die verlagseigenen Druckprodukte im Jahr 2022 am Druckstandort Esslingen produziert werden. Gespräche über eine sozialverträgliche Gestaltung des Personalabbaus sind bereits terminiert.

Neues Druckzentrum für die SWMH?

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Laut SWMH-Geschäftsführer Dr. Christian Wegner gibt es das Projekt bereits seit 2015: das „Druck-Strategie-Projekt“. „Ziel dieses Projektes ist es“, so SWMH-Anwalt Dr. Georg Stengel gegenüber dem Arbeitsgericht Stuttgart, „eine Empfehlung für die zuständigen Gremien der Medienholding Süd zu erarbeiten, in welcher Konstellation in den kommenden Jahren innerhalb des Teilkonzerns MHS Zeitungsdruck betrieben werden soll. Dabei stellt sich in erster Linie die Frage, ob und welche Druckereien innerhalb des Konzerns betrieben werden sollen“. Eine Entscheidung darüber ist offensichtlich in der letzten Gesellschafterversammlung nicht gefallen: „Über die Fortführung der Druckereien im Konzern wurde auf der Sitzung nicht entschieden“, so MHS-GF Herbert Dachs.

Unklar ist offensichtlich nach wie vor, welche weitere regionalen Zeitungsverlage an diesem „Druck-Strategie-Projekt“ beteiligt sind. Dazu GF Dachs: „Ob aber ein neues Druckzentrum gebaut wird, welche Partner an der Neuausrichtung der Druckereien beteiligt sind, welche Umfänge und Formate in welchen Druckereien gedruckt werden und wie die Logistik ausgestaltet ist, das alles steht noch nicht fest und ist von verschiedenen Umständen abhängig“. Vor Kurzem ließ Dachs verlauten, dass neben den bisherigen möglichen Partnern Bietigheim, Ludwigsburg und Waiblingen auch Heilbronn und Reutlingen potentielle Partner für eine „Druckgemeinschaft“ wären.

Momentan werden offensichtlich zwei Varianten diskutiert:

  1. a) Der Konzern entscheidet sich dafür ein Grundstück zu kaufen und erstellt „auf der grünen Wiese“ ein neues Druckzentrum mit weiteren Partnern. „Ein für eine Lösung vorgesehenes und reserviertes Grundstück in Ludwigsburg habe sich zerschlagen“, so SWMH-GF Alexander Paasch. Die Folge dieser Lösung wäre für die Zeitungsdruckereien im Konzern, dass es zu einer Schließung der Druckstandorte in Stuttgart-Möhringen und Esslingen kommen könnte. Zudem würde an beiden Standorten auch die Weiterverarbeitung geschlossen. Insgesamt wären rund 300 Beschäftigte von der Schließung beider Druckereien betroffen.
  2. b) Der Konzern baut ein Druckzentrum auf einem bereits in der SWMH vorhandenen Grundstück (z. B. in Esslingen), evtl. auch mit Partnern. Dann müsste das Firmengebäude in Esslingen abgerissen und die Druckerei aufgebaut werden. Untersuchungen über Bausubstanzen und Fundamente in Esslingen haben bereits stattgefunden. Ab Baubeginn des Druckzentrums wird der Zeitungsdruck in Esslingen eingestellt. Während der Bauzeit würde eine Verlagerung der bisher in Esslingen produzierten Produkte an einen anderen Standort (vermutlich Stuttgart) erfolgen. In Esslingen wären ca. 100 Beschäftigte von der Schließung betroffen.

Welche Variante gewählt wird für ein „langfristig stabiles Druckereigeschäft“ (Dachs), darüber werden Betriebsräte und Belegschaften der betroffenen Unternehmen weiterhin im Unklaren gelassen. Die Arbeitgeberseite machte deutlich, dass sie nicht will, „dass Betriebsräte auf dem Weg der Planung beteiligt werden“. Ver.di-Konzernbetreuer Uwe Kreft dazu: „Jahrelang haben die Beschäftigten in den Druckereien für gute Ergebnisse ihrer Unternehmen gesorgt und Gewinne an den Konzern abgeführt. Wir erwarten daher, dass den Beschäftigten jetzt schnell gesagt wird, wohin die Reise geht. Und egal welche Lösung kommt: wir erwarten Tarifbindung im neuen Druckzentrum“.

SWMH-Geschäftsführung verkündet Sparprogramm: 50 Millionen Euro müssen eingespart werden!

sverdimh, · Kategorien: Allgemein

Na das ist ja mal eine Ansage: SWMH-GF Dr. Christian Wegner hat in seiner Videobotschaft an die Beschäftigten verkündet, dass 50 Mio. Euro bis Ende 2022 eingespart werden müssen. Die Mittel dazu sollen Einsparungen bei den Sachkosten und eine Reduzierung der Personalkosten sein. Bis Ende März 2021 sollen die jeweiligen örtlichen Geschäftsführungen „ihre Sparpakete schnüren“ (Dr. Wegner) und Vorschläge zur Minimierung der Sachkosten machen; anschließend wolle man Maßnahmen zur Senkung der Personalkosten überlegen. In Zahlen ausgedrückt heißt das: 50 Mio. Euro entspricht etwa 1000 Arbeitsplätzen. Angenommen, die Hälfte der 50 Mio. Euro Einsparung würde über die Reduzierung der Sachkosten erzielt, blieben noch 500 Arbeitsplätze übrig. Würden diese auf die beiden Konzerne gleichberechtigt verteilt, würde den Unternehmen der Medienholding Süd ein rechnerischer Abbau von 250 Arbeitsplätzen bevorstehen.

Da reibt sich der Eine oder die Andere verwundert die Augen und fragt sich, wo dieser Arbeitsplatzabbau stattfinden soll. Gerade erst haben Konzernleitung und Betriebsräte in der Medienholding Süd das Projekt „Medienhaus-Strategie“ bearbeitet, was nach Schätzungen von ver.di annähernd 100 Stellen gekostet haben könnte und insgesamt Einsparungen von etwa 10 Millionen Euro einbringt. Irritierend ist auch, dass die SWMH-Geschäftsführer die Beschäftigten für „ihren Mut, ihre Ausdauer und Kraft in dieser schwierigen Zeit“ (MHS-GF Dachs) gelobt haben, Auch Dr. Wegner lobte das Engagement der Beschäftigten und verkündete, dass man „in 2020 gut durch die Krise gekommen sei und sogar ein operatives Ergebnis über Plan erreicht habe“. Sind die geplanten Stellenstreichungen also die Belohnung für gute Arbeit und ein gutes Betriebsergebnis?

Freilich haben auch andere Maßnahmen „zum guten Ergebnis 2020“ beigetragen: Ausgaben-Stopp, Einstellungs-Stopp, Kurzarbeitergeld und nicht zuletzt vermutlich auch der unerhoffte Geldsegen der Bundesregierung, die Ende Juni 2020 beschlossen hat, den Zeitungsverlegern zur „Förderung der digitalen Transformation des Verlagswesens, zur Förderung des Absatzes und der Verbreitung von Abonnementzeitungen und Anzeigenblättern“ 220 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Auch der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent wurde dankbar angenommen.

Aber es hilft ja nichts, es gibt drei „Grundregeln“: Senkung der Kostenbasis um 50 Millionen Euro, Steigerung der digitalen Umsätze um 50 Mio. Euro und als Grundlage von allem die Verbesserung der Mitarbeiterzufriedenheit um 30 Prozent. Spätestens jetzt kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Spar- und Personalabbauprogramme und eine Verbesserung der Mitarbeiterzufriedenheit in Einklang zu bringen, ist eine Herkulesaufgabe. Dies wird wohl in der Abteilung Dokumentation Bild und Text in der Medienholding Süd (das ausgelagerte Archiv der StZN) nicht mehr gelingen. Dort wurde mitgeteilt, dass man die Abteilung zum 30. September 2021 schließen will (Kontext-Wochenzeitung hat dazu berichtet.)

Betroffen von der Maßnahme sind insgesamt vier Beschäftigte. Zwei Beschäftigten bietet man nun Aufhebungsvereinbarungen an, während die anderen Beiden in die neu zu gründende, ebenfalls tariflose Medienholding Süd Medienservice GmbH wechseln können – zu schlechteren Bedingungen versteht sich. Dazu fällt einem nur ein Wort ein: Erbärmlich!

Außer Spesen nichts gewesen: Warnstreiks in der Druckindustrie gehen weiter

sverdimh, · Kategorien: Tarifrunde

Am 30. Januar 2019 hat ein Sondierungsgespräch zwischen ver.di und dem Bundesverband Druck und Medien (bvdm) stattgefunden. Zusammengefasst kann man sagen: außer Spesen nichts gewesen. Die Warnstreiks in der Druckindustrie gehen daher weiter. Zuletzt haben sich mit einem mehrtägigen Warnstreik Beschäftigte der Pressehaus Stuttgart Druck, der Pressehaus Stuttgart Infotechnik, der PHV Service GmbH, Der Redaktion Stuttgarter Zeitung Stuttgarter Nachrichten und der Bechtle Verlag&Druck gegen die Forderungen des bvdm gewehrt, ein Lohnabkommen für die Druckindustrie nur dann zu vereinbaren, wenn gleichzeitig Verschlechterungen im Manteltarifvertrag der Druckindustrie hingenommen werden. Unpassend fanden die Streikenden auch die Bemerkungen des Geschäftsführers der P-Gesellschaften, Johannes Degen, der zu den möglichen Regelungen eines „MTV 2“ (Verschlechterter Manteltarifvertrag für Neueinstellungen) sagte, dass „diese immer noch besser als die gesetzlichen Regelungen seien. Außerdem gebe es weitaus schlechtere Arbeitsbedingungen – zum Beispiel in der Pflegebranche“.
Zum Ende des Warnstreiks wurden Flugblätter vor dem Werkstor verteilt. In den Flugblättern macht ver.di auf die derzeitige Verhandlungssituation aufmerksam. Zudem sorgen die Zusatzvereinbarungen zu den Arbeitsverträgen für die Streikbrecher weiterhin für erhitzte Gemüter. Darin werden diesen die Bedingungen des Manteltarifvertrages der Druckindustrie – für deren Erhalt die Streikenden kämpfen – bis 2023 individualrechtlich zugesagt.
Ver.di-Konzernbetreuer Uwe Kreft: „Diese Vorgehensweise ist jenseits des guten Geschmackes. Zusammen mit dem Wissen über ein konzernweites Druck-Strategie-Projekt und der damit verbundenen unsicheren Zukunft der Druck-Arbeitsplätze wirkt es aber mobilisierend. Wir kämpfen weiter bis der Manteltarifvertrag 1:1 wieder in Kraft gesetzt ist. Auch bei der Lohnerhöhung lassen wir nicht locker bis wir Reallohnsteigerungen erreicht haben. Geld scheint im Konzern genügend vorhanden zu sein, wurden doch gerade erst in den „Non-Profit-Bereichen“ teures Führungspersonal neu eingestellt“.

Personal-Bilanz von SWMH-GF Dr. Christan Wegner: 430 Beschäftigte in nur sechs Monaten entlassen!

sverdimh, · Kategorien: Allgemein

Fast sechs Monate (seit dem 1. Juli 2018) ist Dr. Christian Wegner als Geschäftsführer der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) und als Nachfolger von Dr. Richard Rebmann im Amt. Seine Bilanz in Sachen Personal treibt einem die Sorgenfalten auf die Stirn: mindestens 430 Beschäftigte der SWMH haben in diesem Zeitraum ihren Arbeitsplatz verloren.

Zuletzt hat es fast 60 Beschäftigte des Nordbayerischen Kurier in Bayreuth getroffen. Zum 30. April 2019 sollen die Druckerei und der Versand geschlossen und die Produktion nach Hof verlagert werden.

Zuvor haben ca. 70 Beschäftigte der Kreiszeitung „Böblinger Bote“ mitgeteilt bekommen, dass man künftig auf ihre Dienste verzichten will um künftig auf Synergieeffekte im Konzern oder auf Auftragsabwicklung durch (deutlich billigere) externe Dienstleister zu setzen.

Insgesamt 240 Beschäftigte haben ihre Arbeitsplätze bei der GuG GmbH an den Standorten Stuttgart, München und Oberndorf a. N. verloren. Ihre bisherigen Reinigungs-Arbeiten wurden an externe Unternehmen fremdvergeben. Einige Beschäftigte haben bei den neuen Dienstleistern eine Anschlussbeschäftigung erhalten. Dies gilt leider nicht für die neugewählten Betriebsräte am Standort Stuttgart, was ver.di-Konzernbetreuer Uwe Kreft als „eigentlichen politischen Skandal“ wertet. Insgesamt kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die „Hinterlassenschaften“ von Dr. Rebmann abgeräumt werden.

Die Bechtle Druck&Service wird zum 28. Februar 2019 stillgelegt. Die ca. 60 Beschäftigten der Esslinger Akzidenzdruckerei fallen der „Portfolio-Bereinigung“ (Gesellschafter Andreas Heinkel) des Konzerns zum Opfer. In der Wochenzeitung Kontext ist dazu ein Artikel erschienen, der hier nachzulesen ist.

Ver.di-Konzernbetreuer Uwe Kreft: „Mit Dr. Wegner steht ein Mann an der Konzernspitze, der den Eindruck vermittelt, dass der Abbau von Arbeitsplätzen die logische Konsequenz schrumpfender Märkte ist, ohne Bezug zu den Produkten, den Menschen und den Regionen zu haben“.

Tarifverhandlungen für die Beschäftigten
in der Druckindustrie werden
auf regionaler Ebene fortgesetzt

sverdimh, · Kategorien: Tarifrunde

Die Tarifverhandlungen für die 134.000 Beschäftigten in der Druckindustrie werden auf regionaler Ebene fortgesetzt. Die Verhandlungen auf Bundesebene sind am 22. November 2018 ohne Ergebnis und ohne weitere Terminabsprache zu Ende gegangen. Der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) machte einen Lohn- und Gehaltsabschluss davon abhängig, Regelungen zu vereinbaren, um die tariflichen Zuschläge abzusenken, die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich zu verlängern und tarifliche Sonderzahlungen kürzen zu können. Ver.di hat den bvdm aufgefordert, den Manteltarifvertrag für alle Beschäftigten unverändert wieder in Kraft zu setzen und ein Lohnabkommen zu verhandeln, das spürbare Entgeltsteigerungen beinhaltet.

Ein Fakten-Check zu den Tarifverhandlungen kann hier nachgelesen werden

Der Auftakt zu den regionalen Tarifverhandlungen findet in Bayern statt. In Baden-Württemberg werden die Druckarbeitgeber zu Verhandlungen für Mitte/Ende Januar 2019 aufgefordert. Die Streiks werden fortgesetzt. Zuletzt hatten sich viele Unternehmen der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) an den Streikmaßnahmen von ver.di beteiligt. Besonders bemerkenswert waren die Solidaritätsstreiks der Redakteure der Kreiszeitung „Böblinger Bote“ und der Redaktion Stuttgarter Zeitung Stuttgarter Nachrichten am 21. November 2018 im Vorfeld der fünften Verhandlungsrunde. In einer gemeinsamen großen Streikversammlung betonten die Kolleginnen und Kollegen, dass der Zusammenhalt der beschäftigten wichtig sei. Daher wurde unter großem Beifall auch die Botschaft verkündet, dass sich bei möglichen Versuchen von Maßregelungen (z. B. Kreiszeitung Böblinger Bote) erneut die Belegschaften zu Streikmaßnahmen verabreden werden. Auf große Empörung bei den Streikenden stießen die unterschiedlichen Versuche der Geschäftsführungen, in Tarifrunden Streikbrucharbeiten zu organisieren. Dies soll unter anderem durch Bargeldzahlungen (bei den Redakteuren) als auch durch Zusatzvereinbarungen zu Arbeitsverträgen (bei den Druckern) passiert sein. Ver.di-Konzernbetreuer Uwe Kreft: „Der eine Teil der Belegschaft streikt, um die Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen des Manteltarifvertrages abzuwehren, während der andere, kleinere Teil der Belegschaft, Streikbrucharbeiten macht und als Belohnung den Inhalt des MTV 1:1 bis 2023 in Zusatzvereinbarungen garantiert bekommt. Dieses Vorgehen ist unanständig – aber es fördert die weitere Streikbereitschaft“.

Warnstreiks in der Druckindustrie: Beschäftigte fordern 5 Prozent mehr Lohn und Gehalt

sverdimh, · Kategorien: Tarifrunde

Die vierte Verhandlungsrunde in der Druckindustrie ist am Abend des 30. Oktober 2018 in Berlin wiederum ergebnislos zu Ende gegangen. Bekanntlich fordert ver.di für die rund 134.000 Beschäftigten eine Lohn- bzw. Gehaltserhöhung von 5 Prozent. Die Arbeitgeber haben zuletzt ein miserables Lohnangebot gemacht, das für die Kalenderjahre 2018 und 2020 Reallohnverluste für die Beschäftigten der Druckindustrie bedeuten würde. Zudem haben die Arbeitgebervertreter des Bundesverband Druck und Medien (bvdm) angeboten, den Manteltarifvertrag für die derzeitigen Beschäftigten ohne die Anhänge wieder in Kraft zu setzen. Ein verschlechterter MTV für Neueinstellungen – eine Spaltung der Belegschaften wäre die Folge. Weiter fordert der bvdm Öffnungsklauseln für freiwillige Betriebsvereinbarungen um Abweichungen bei den Themen „Ausstieg aus der Schichtarbeit“, „Absenkung von Zuschlägen“, „Absenkung von Urlaubsgeld und Jahresleistung“ betrieblich vereinbaren zu können.

An den bundesweiten Warnstreiks haben sich auch mehreren Unternehmen beteiligt, die zum Konzern der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) gehören: Süddeutscher Verlag Zeitungsdruck, München, Pressehaus Stuttgart Druck GmbH, Pressehaus Stuttgart Infotechnik GmbH, PHV Service GmbH, Stuttgart und die Zeitungsverlagsangestellten der Redaktion Stuttgarter Zeitung Stuttgarter Nachrichten. Besonders erfreut zeigte sich ver.di-Konzernbetreuer Uwe Kreft über die ganztägige Streikteilnahme der Beschäftigten der Kreiszeitung „Böblinger Bote“. Im Rahmen des Warnstreiks konnten die Böblinger Kolleginnen und Kollegen in der Öffentlichkeit auf ihre betriebliche Situation (Personalabbau von ca. 70 Beschäftigten) hinweisen. Dazu Kreft: „Die Geschäftsführung ist aufgefordert, die Abfindungsangebote für die anstehenden Sozialplanverhandlungen in Böblingen aufzustocken. Ansonsten könnte das geplante Weihnachtsgeschäft der Kreiszeitung „Böblinger Bote“ aufgrund weiterer Streikmaßnahmen ins Wasser fallen“.

Kreiszeitung „Böblinger Bote“: Stellenabbau erhöht sich auf insgesamt zirka 70 Beschäftigte im Jahr 2018

sverdimh, · Kategorien: Allgemein

Am 19. Oktober 2018 wurden die Beschäftigten der Kreiszeitung „Böblinger Bote“ in einer Mitarbeiterversammlung darüber informiert, dass nach Rotation, Versand und Lohn- und Finanzbuchhaltung nun auch noch die komplette Druckvorstufe, der Leserservice und die (Ticket-)Verkaufsstellen von der Schließung betroffen sind. Insgesamt erhöht sich seit der Übernahme durch die SWMH die Zahl des angestrebten Personalabbaus auf ca. 70 Beschäftigte. Im Rahmen der Warnstreiks für 5 % mehr Lohn- und Gehalt haben die Beschäftigten in Böblingen mit einem Flugblatt auf ihre Situation aufmerksam gemacht (siehe Download).

Einzelne Mitglieder des Betriebsrates und ver.di-Betreuungssekretär Uwe Kreft äußerten sich zu den geplanten Kündigungen wie folgt:

Anik Narr:
Mit 16 Jahren bei einer lokalen Zeitung begonnen – immer stolz, eine handwerklich gut gestaltete, unabhängige Zeitung zu produzieren – mit 54 Jahren ausgelagert.
Aber nicht nur für mich, sondern für viele meiner lieben Arbeitskollegen/innen, die alle täglich daran gearbeitet haben, eine Zeitung sowie verschiedene Amtsblätter mit bestem Gewissen zu gestalten, geht jetzt der Arbeitsplatz verloren.

Edwin Meyer:
Ich bin überrascht, fassungslos und enttäuscht, wie gegenüber Mitarbeitern gehandelt wird, die teilweise seit mehreren Jahren und Jahrzehnten dem Unternehmen treu und loyal zur Seite gestanden haben.

 

 

Robert Krülle:

Dass es womöglich Veränderungen geben muss, wenn die wirtschaftliche Lage schlecht ist, lässt sich noch einsehen. Aber dann bitte in einem vertretbaren Rahmen und nicht per Kahlschlag. Wie rigoros hier vorgegangen wird – ohne Ansicht von Namen, Verdiensten und Herzblut, sondern nur mit Blick auf Zahlen -, ist enttäuschend, frustrierend und demotivierend. 190 Jahre Kreiszeitung Böblinger Bote erleben einen herben Einschnitt – das ist bitter, vor allem für die Angestellten, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten die Zeitung und den Verlag gestaltet und geprägt haben. Zudem ist fraglich, ob dieses „Das geht auch günstiger“ wirklich zu einem nachhaltigen Erfolg führen wird.


Thomas Bischof:

Von Schlecht zu schlechter. Durch den Verkauf an die SWMH sind die Mitarbeiter der Böblinger Kreiszeitung vom Regen in die Traufe gekommen. War der Weg für diese Entwicklung beim Verkauf schon vorgegeben, die Weichen für die Abwicklung der Kreiszeitung schon gestellt? Für die Kolleginnen und Kollegen ist es ein Desaster, was hier in Böblingen angerichtet wird. Ob bei den Lesern und Kunden da noch Sympathien für die „lokale“ Zeitung übrig bleiben?


Uwe Kreft ver.di:

Die Übernahme der Kreiszeitung „Böblinger Bote“ durch die „Stuttgarter Zeitung“ bzw. durch die Medienholding Süd GmbH die zur Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) gehört, war für viele Beschäftigte auch mit Erwartungen und Hoffnungen verbunden. Diese Hoffnungen wurden durch die Restrukturierungsmaßnahmen und den damit verbundenen Personalabbau von ca. 70 Beschäftigten und im Jahr 2018 jäh zerstört. Die SWMH ist nun aufgefordert, wenigstens die wirtschaftlichen Nachteile, die die von der Kündigung betroffen Beschäftigten erleiden, ausgleichen. Die Geschäfts-führungen müssen dazu das unanständige Angebot für die Sozialplanabfindungen zurückziehen. Das ist das Wenigste, was man von den verantwortlichen Geschäftsführungen erwarten kann.

 

GuG GmbH am Standort Stuttgart wird Ende Oktober geschlossen

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„Es trifft halt immer die ärmsten Teufel.“ „Der kleine Mann kann’s halt ausbaden.“ So oder so ähnlich lauteten die meisten Reaktionen der Beschäftigten im Pressehaus Stuttgart bei der Flugblattaktion von ver.di zur Schließung der Gebäude- und Grundstückservice GmbH (GuG GmbH). Insgesamt 52 Beschäftigte wurden gekündigt und verlieren ihre Arbeit zum 31. Oktober 2018. Zu diesem Datum soll die GuG GmbH am Standort Stuttgart geschlossen werden. Pikanterweise wurden die Kündigungen am 23. Juli 2018 ausgesprochen, genau zwei Tage vor der erstmaligen Betriebsratswahl der GuG GmbH. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?

Das ver.di-Flugblatt kann heruntergeladen werden: